Amritsar
Ein
bebilderter Reisebericht von Till Dohmann.
Von Dharamsala sind wir 9
Stunden mit dem Bus nach Amritsar an der indisch-pakistanischen Grenze gefahren.
Was soll ich sagen? Mitten in dieser stickig heißen Millionenstadt liegt eins
der schönsten Kleinode dieses Landes und übertrifft das Taj Mahal (meiner
Meinung nach) bei weitem.
Der goldene
Tempel, das wichtigste Heiligtum des Sikhismus, liegt inmitten eines riesigen
Wassertanks (ca. 100x100m), in dem es von Karpfen nur so wimmelt. Der Wassertank
wiederum ist eingerahmt von Wegen aus weißem Marmor, die wiederum von Tempeln
mit goldenen Dächern eingerahmt sind. Der goldene Tempel, ebenfalls aus Marmor
und mit Blattgold überzogen, ist nur über eine Brücke zu erreichen.
Erbaut wurde der Tempel Ende des 16. Jahrhunderts von den Gurus Ram Das und Arjan Dev. Nach der Zerstörung durch Plünderer wurde er 1760- 1770 wieder aufgebaut. Die charakteristischen Marmor- und Golddekorationen entstanden aber erst im frühen 19. Jahrhundert, als Sikhführer Ranjit Singh einen Großteil Punjabs eroberte. Im Goldenen Tempel wird das heilige Buch Adi Granth mit den Hymnen an die Gottheiten der Sekte aufbewahrt.
Bilderbuch-Sikhs mit bunten Turbanen und Schwertern,
vergleichbar mit der Schweizer Garde, halten Wache und passen auf, dass jeder
seinen Kopf bedeckt hat und seine Schuhe erst auszieht und dann seine Füße wäscht.
Die Atmosphäre ist einfach atemberaubend. Wenn mir ab jetzt jemand erzählt, er
hätte seine Erleuchtung in Amritsar gehabt, dem glaub ich das sofort. Dort ist
Frieden, absoluter Frieden. Der Sprechgesang der Gurus, untermalt mit Trommeln
und der Sita, werden den ganzen Tag über Lautsprecher übertragen, Pilger
versinken in tiefste Meditation und werfen sich auf den Boden. Überall brennen
Räucherstäbchen. Die Leute sind hilfsbereit und freundlich, aber nicht
aufdringlich. Auch gibt es keine Bettler.
Friedlich ging es hier aber nicht immer her. Im Jahr 1984
verschanzten sich fanatische Sikhs im Tempel und forderten einen unabhängigen
Staat. Am dritten Tag stürmte die indische Armee den Tempel und es kam zu
Hunderten Toten.
Die Großküche
versorgt täglich ca. 2000 Pilger kostenlos mit Fladenbrot und Linsenbrei. Uns
auch. In einem riesigen parkhausähnlichen Gebäude schlafen wir mit 100en
anderen Pilgern auf dem Boden auf Matratzen. Und alles ist ganz sauber. Hygiene
und Gastfreundschaft sind nur zwei von vielen Prinzipien dieser Religion. Wir
danken es ihnen mit einer Spende. Leider kann man diese Atmosphäre weder in
Worte noch in Bilder fassen. Sagenhaft.
Irina, meine bulgarische Reisebegleitung, und ich würden
gerne noch länger an diesem friedlichen Ort bleiben. Aber leider sind wir auf
der Flucht, - auf der Flucht vor dem hinduistischen Neujahrsfest Diwali. Und das
wird in Amritsar besonders heftig gefeiert. Also nichts wie weg mit einem Übernachtzug
nach Delhi.
Aber eins, das weiß ich ganz genau....
ICH KOMME WIEDER!!!!
P.S. Mittlerweile war ich ein zweites mal in Amritsar und
es hat mir genauso gut gefallen wie beim ersten mal. Mehr als zwei bis drei Tage
Aufenthalt würde ich allerdings nicht einplanen, da die Stadt ansonsten nicht
viel zu bieten hat.
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