Dharamsala
/ Mc Leod Ganj in Himachal Pradesh
Ein bebilderter Reisebericht von Till Dohmann.
Dharamsala
an sich ist eine ungemütliche und laute Stadt, friedlicher hingegen ist es im
14km entfernten Mc Leod Ganj. Auf ca. 1900m gelegen war es während der
Kolonialzeit eine britische Hill Station. Heute ist es der Exilsitz der
tibetanischen Regierung und Sitz des 14. Dalai Lama, Tenzin Gyatso.
Nach
einer 14-stündigen Busfahrt von Delhi erreichen wir Mc Leod Ganj. Das kleine Städtchen
liegt an den Hängen des Kangra-Valley am Fuße des Himalaya im Bundesstaat
Himachal Pradesh. Die kühle Bergluft tut uns nach der großen Hitze gut. Ein
Hotel ist schnell gefunden, die Auswahl ist in dem touristengewohnten Städtchen
wirklich riesig.
Die Straßen sind schlammig und es regnet aus Eimern. Monsun- Zeit im vorhimalayschen Gebirge. Der Himmel ist nur selten blau, was aber nicht stört, da die bewaldete Bergwelt auch bei regnerischem Wetter fasziniert. Die Sicht ist abwechslungsreich. Mal hat man freie Sicht über das Tal und 20 Minuten später kann die Sicht nur noch knapp 50 m betragen, wenn wir mitten in einer Wolke stehen. Und weitere 20 Minuten später kann der Himmel wieder strahlend blau sein.
In
Mc Leod Ganj gibt es nichts groß zu besichtigen, der Ort besticht durch seine
Atmosphäre. Durch den hohen Bevölkerungsanteil von Exil- Tibetanern haben wir
nicht wirklich den Eindruck in Indien zu sein. Tibetanische Gesichter und
Trachten, Gebetsmühlen, Gebetsfahnen, Gebetsräder, buddhistische Mönche,
Gompas und natürlich das Bild des Dalai Lama. Der Slogan „Free Tibet“ ist
ein Verkaufsknüller und viele Westler auf der großen Suche nach spirituellem
Heil hoffen hier auf Erleuchtung.
Tsuglagkhang, der Tempel des Dalai Lama ist ein neuzeitliches schlichtes Gebäude und deshalb für uns als Nichtbuddhisten nicht besonders interessant.
Wir ziehen einen Besuch im nahegelegenen Ort Baghsu vor.
Nach einem Spaziergang erreichen wir einen Wasserfall an dessen Fuß sich zwei
Chay- Buden befinden. Eigentlich ein sehr gemütlicher Ort, ruhig genug, um ein
gutes Buch zu lesen, einen Tee zu trinken und die Seele baumeln zu lassen. Wegen
der Sommerferien ist der Ort aber zugestopft mit indischen Touristen. Wir
trinken eine Cola und ziehen weiter.
Tags darauf fahren wir mit der Riksha zum Dal Lake. Trotz Regen machen wir einen Spaziergang und lassen uns von der Aussicht begeistern. Bewaldete Himalaya- Hänge mit Reisterrassen, halb verdeckt hinter Nebel und Wolken, haben uns in ihrem Bann. Da schmeckt der Tee an einer Bude direkt doppelt so gut.
Dharamkot, einen kleinen Ort oberhalb von Mc Leod Ganj erreichen wir am nächsten Tag nach einem steilen Fußmarsch. Idyllisch am Hang gelegen, kein Verkehr und absolute Ruhe. Ferien auf dem Bauernhof, aber eben in Asien.
Von
der Umweltpolitik ist Mc Leod Ganj führend in Indien. Hier wurde das erste Mülltrennsystem
eingeführt. Regelmäßig wird der Müll eingesammelt und an Recyclingfirmen
verkauft. Durch den Gewinn können die Arbeitsplätze der Müllsammler bezahlt
werden und der Ort ist sauberer.
Seit November 2000 habe ich regelmäßigen Brief- und Emailkontakt mit Pema, einer 19- jährigen Exil- Tibetanerin. Sie im Juni 2001 wiederzusehen war für mich natürlich die größte Freude an dem Besuch.
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