Jaisalmer in Rajasthan

Ein bebilderter Reisebericht von Ines und Steffen. Mehr aus ihrer Feder unter www.abenteuer-indien.de.

Teil 1

Eine Begegnung von Ausgelassenheit und europäischen Trommelfellen

26.-27.10.2000

Zwei Tage Happy Diwali

 

Happy Diwali, happy Diwali ruft es uns zwei Tage lang aus strahlenden Gesichtern entgegen. Wir können die Freude der Menschen auch verstehen, denn schließlich stehen diese Worte für Süßigkeiten, kleine Geschenke, schulfreie Tage, ein langes Wochenende für Beamte, Knallkörper und Raketen, sauber und hübsch gekleidete Menschen sowie Frohsinn und Ausgelassenheit. Diwali (indisch Deepawali) wird im ganzen Land gefeiert, wenn auch der Grund des Festes regional unterschiedlich ist. In Bombay bringt man Lakshmi damit in Verbindung während es in Kerala die Göttin Kali ist, der man an Diwali huldigt. In den meisten Teilen des Landes bereitet man sich jedoch auf Ramas Rückkehr aus Sri Lanka vor. Er soll laut einer Legende von einem Herrscher einst auf die Insel entführt worden sein. Damit Rama den Weg nach Hause findet, entzünden die Inder kleine Kerzen und Öllampen, die auf Dächern, Mauern sowie Stufen gestellt werden. Außerdem werden Blumen gestreut und Türen mit Blütenketten geschmückt, um die Freude über Ramas Rückkehr zu zeigen.
In unserem Guesthouse wäre Rama bestimmt liebend gern abgestiegen, denn die Besitzer machten alles besonders nett zurecht, spendierten den Gästen ein Dinner mit Chapatis, Reis, Dhal, Gemüse,.... und Knallern. Die fanden wir allerdings nicht ganz so toll, da wir uns zeitweise um die Stabilität unserer Trommelfelle sorgten. Auch auf den Straßen, wo es zu vorgerückter Stunde feuerwerksmäßig so richtig zur Sache ging, fühlten wir uns etwas unwohl, wenn halbe Granaten detonierten.
Für Unternehmer beginnt an Diwali ein neues Geschäftsjahr, das dann Erfolg verspricht, wenn man mit einem guten Deal startet. Diesen hätten wir einem Antiquitätenhändler bescheren sollen, der eine Wohnung in einem Haveli besitzt. Kunstvolle Schnitzereien in Sandstein und Holz sowie 250 Jahre alte Wandmalereien schmücken dieses einzigartige Gebäude, das in einer engen, hübschen Gasse gelegen ist. Wir bestaunten die Architektur und natürlich einige schöne Stücke aus dem Angebot im Laden, brachten die Kasse des Händlers allerdings nicht zum Klingeln.
 
Kamele: Lieber erstmal fotografieren als reiten

Im Reiseführer machte uns die Beschreibung der „Sam Dunes“ (Sanddünen, 40 Kilometer entfernt) neugierig. Wir traben zum Tourist Office, einem großen Gebäude, in dem einsam und verlassen ein Angestellter ausharrt (vielleicht gibt es an Diwali von Vater Staat ein paar Rupees extra!!) Wir erkundigen uns nach einer Tour in die Dünen. Leider fährt der Jeep dorthin bereits 15.00 Uhr und nun ist es 15.30 Uhr. Morgen? Feiertag, Diwali, you understand? Na klar, wir gönnen dem Fahrer auch seinen Feiertag, wollen fast gehen, als der gute Mann auch schon aufgeregt telefoniert. Lächelnd legt er den Hörer auf und  verkündet stolz: „Sie können heute noch mitfahren, ich habe dem Jeepfahrer Bescheid gegeben. Er kommt gleich vorbei.“ Happy Diwali, sagen wir lachend und sind auch sehr stolz auf seine Managementfähigkeiten. Der Jeep kommt, und fünf 5 junge Inder wollen sich ebenfalls den Feiertag mit einem kleinen Ausflug verschönern. Die Fahrt in die Wüste ist interessant. Wir sehen karg bewachsenes,  steiniges Land, ab und zu aus Lehm gebaute Häuser. Ein erster Eindruck auf das, was uns auf der Kamelsafari erwarten wird. Kurz vor den Dünen, die wahrhaft ein Touristenmagnet sind, bieten eifrige Kamelbesitzer die Dienste ihrer langbeinigen Höckertiere an. Uns steht der Sinn aber nicht nach einem Kamelritt, wir wollen lieber die Silhouetten der Tiere beim Sonnenuntergang mit der Kamera einfangen. Ein schönes Bild bietet sich uns, als wir den Kamelsammelplatz erreichen. Über 100 Tiere sitzen in Reih und Glied, jedes mit Sattel und bunter Decke versehen, wartend auf Kundschaft. Gegen 17.45 Uhr beginnt der Wettlauf in die Dünen. Ganze Kamelkarawanen mit lauter schnatternden Menschen schleppen sich durch den Sand. Besonders schön sind die Schatten, die dieser Tross im feinen Sand entstehen lässt. 18.00 Uhr - nun geht es ganz schnell und die rot glühende Sonne verschwindet hinter Dünen. Für uns ist das viel schöner als jeder Feiertagstrubel in der Stadt. Na dann: Happy Diwali!

28./29.10.2000 (Ines)
Eindrücke vom Nichts

Bei der Kamelsafari durch die Wüste bleibt mindestens eine Frage offen

Im Büro des Guesthouse Besitzers sammelt sich das siebenköpfige Trüppchen, das gleich in die Wüste aufbrechen wird. Ein Schwede und zwei Holländer wollen dem indischen Alltag vier Tage lang entfliehen. Zwei Argentinier und wir bloß drei Tage. Per Jeep erreichen wir das Desert: schmächtige Bäume, kleine Büsche, dürre Gewächse bahnen sich mühsam den Weg durch das Gemisch von Sand und Gestein. Wir frühstücken inmitten des „Nichts“ und äugen schon zu den Kamelen, die faul und gelangweilt in der Nähe liegen. Das Gepäck ist schnell verstaut und schon bekommen wir unser „Transportmittel“ zugeteilt. Über den Sattel werden Decken gelegt, so dass man recht bequem sitzt. Steffen hat manchmal Probleme mit seinen langen Beinen, beklagt sich aber nicht. Die Kamel sind es natürlich gewöhnt, unwissende Touris zu schleppen, hören auf die vier Führer, die uns begleiten. Trotz hoher Temperaturen macht es Spaß, durch die Wüste zu reiten. Weit und breit nichts außer vereinzelter Hütten, Ziegen, Schafe. Die Ruhe ist besonders angenehm. Jeder hängt seinen Gedanken nach...
Am ersten Tag unserer Tour sind wir aber etwas enttäuscht, denn ständig halten wir, ohne dass es etwas zu sehen gibt. Klar, die Tiere müssen getränkt werden, aber als die Führer sich ewig waschen, mit Einheimischen lange schnattern und wir nur rumstehen, runzeln wir die Stirn. Es ist eben schade, dass die Führer nur wenig englisch sprechen, sie auch nicht sehr interessiert sind, uns diese Region mit Land und Leuten näher zu bringen. Naja, sie machen eben ihren Job. 
Die Mittagspause ist stets die längste Pause. Es werden Chapatis gebacken, Gemüse und Nudeln gekocht, dann wird unter einem Baum gegessen. Natur pur. Herrlich sind auch die Abende, wir sehen erst den Sonnenuntergang, beobachten dann, wie sich der Himmel nach und nach mit Sternen füllt. Am Lagerfeuer wird über weitere Reiseziele, Erlebtes oder die Heimat geschwatzt bis sich alle auf ihre Matratze im Sand verziehen.  Wir sehen einen kleinen Skorpion, viele große schwarze Käfer (Pillendreher) sind aber ansonsten von Getier verschont. Wir reiten zu Dörfern, plaudern mit Einheimischen, was sich aber meist auf das Übliche: What's your name? Your country? One pen? beschränkt. Die Hütten sind aus Lehm gebaut, haben weder Strom- noch Wasserleitungen. Ich frage mich, wovon die Leute eigentlich leben. Ringsum sieht man melonenartige Früchte, aber das reicht wohl kaum. Die geschäftigste Stelle in solchen Orten ist immer der Brunnen. Hier stehen die Frauen in ihren bunten Gewändern, füllen die Tongefäße mit Wasser, die sie dann auf dem Kopf zu ihren Häusern tragen. Alles in allem war die Safari schön, auch wenn ich den Kamelsattel liebend gern wieder gegen meinen Fahrradsattel eintausche.

                            

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