Teil 2 des Leh-Reiseberichts
von Markus Klein (www.klein-ist-die-welt.de)
Dienstag 11.05.1999 Leh
Heute sind wir wieder um 4:45 Uhr aufgestanden,
was hier oben eigentlich kein Problem ist, denn die Sonne geht recht früh auf
und man ist spätestens um 6 Uhr wach. Um 5 Uhr ist dann unser Taxi nach
Lamayuru gefahren. Jeder der sagt, dass man die Straße von Manali bzw. Srinagar
nach Leh fahren soll, der hat einen kleinen Schaden, oder ist lebensmüde. Wir
sind heute eine dieser Straßen gefahren, mit einem Jeep der Vierradantrieb hat,
einem Fahrer, der
ausgeschlafen war und geringem Verkehr (3 Autos pro Stunde),
ich würde sogar behaupten diese Straße war in einem noch viel besseren
Zustand, aber selbst hier konnte man stellenweise vor lauter Angst schreien, ich
hatte das Gefühl, das sowieso immer ein Rad über dem Abgrund war und so
schnell wie der manchmal geheizt ist, hätte er auch kaum noch bremsen können,
wenn auf einmal ein Auto entgegengekommen wäre. Auf jeden Fall war diese Fahrt
ein Erlebnis, auch wenn der Jeep für meinen Magen keine Gnade kannte. Eine
traumhafte Aussicht und keine Menschenseele weit und breit. Toll.
In Lamayuru angekommen, konnten wir dann eines der ältesten Klöster in Ladakh besichtigen und das Tolle an dem Kloster waren die 2 Mönche, die scheinbar noch nie aus ihrem Dorf herausgekommen waren und deshalb Antons Lonley Planet verschlungen haben. Das Kloster war sehr interessant und die Fahrt hierher kann ich nur empfehlen.
Ich sitze gerade tagebuchschreibend im Zug und eben ist wieder eine Bettler Kolonne durch den Zug gezogen, das hört sich jetzt wahrscheinlich grauenhaft an, aber nach 3 Wochen Indien ist man an den Anblick gewöhnt, denn meistens besteht eine solche Kolonne aus mehreren Kindern mit verkrüppelten Armen oder Beinen, die um Geld betteln. Leider waren viele dieser Verkrüppelungen echt und nicht selten wurde hier auch nachgeholfen um besser Chancen zu haben, man sprach sogar von einer sogenannten Bettlermafia, doch wieviel an solchen Gerüchten dran ist möchte ich jetzt nicht erörtern.
Von Lamayuru sind wir dann nach Alchi
weitergefahren, wo meine Magenkrämpfe schlimmer wurden, und mir auch
das
Kloster nicht so sehr gefallen hat, doch ich glaube das lag eher an meinem
gesundheitlichen Zustand, denn das Kloster war eigentlich sehr aufwendig bemalt.
Danach sind wir nach Likri weiter gefahren, das war wieder sehr schön und
farbenfroh, doch hier oben war es so kalt, dass man auch wieder Probleme hatte.
Auf dem Rückweg fuhr dann ein Mönch mit uns zurück, was hier oben anscheint
vollkommen normal ist, denn er hat auch gar nicht groß gefragt, ob er mitfahren
kann, sondern ist mehr oder weniger einfach mit uns mit gegangen. Der Tag hatte
mich dann aber auch ganz schön mitgenommen, so dass ich gleich um 18 Uhr ins
Bett gegangen bin und bis morgens durchgeschlafen habe.
Mittwoch 12.05.1999
Heute morgen ging es mir so dreckig, dass ich nicht mit Anton und Jörg zum Stokka Pass (5050m) bin, denn ich denke, es ist Schwachsinn auf über 5000 m zu wandern, wenn man schon auf 3700 m Probleme hat. Also habe ich heute im Bett gelegen und mich erholt. Am Nachmittag habe ich mir die Shanti Stupa angetan, was mir an bergsteigerischen Aktionen auch schon reichte, man kann es sich gar nicht vorstellen, wie schwer einem hier das Atmen fällt. Selbst nach 6 Tagen in dieser Höhe habe ich immer noch etliche Probleme mit der Höhe, bei den kleinsten Anstrengungen bin ich schon am Japsen.
Die Shanti Stupa ist recht sehenswert, denn man hat einen tollen Ausblick über Leh und auch die Stupa selbst ist sehr interessant, da die 1989 erbaute Stupa sehr bunt und reich verziert ist.
Donnerstag 13.05.1999
Heute wollten wir eigentlich mit der Vespa nach
Hemis fahren, doch sowohl Anton, als auch ich waren zu unfähig mit diesem Ding
umzugehen und so mussten wir wohl oder übel wieder auf unseren Freund und
Hotelvermieter zurückgreifen, der uns dann mit einem Jeep nach Hemis fuhr, was
mir auch ganz recht war, denn man wusste nie so recht wo es Sprit gibt und wo
man überhaupt abbiegen muss.
So kamen wir am Nachmittag also glücklich in
Hemis an und obwohl wir nur 4 Räume sahen, waren wir begeistert, denn in einem
hingen sogar ausgestopfte Widder an der Decke. Auch hier hat wieder ein Mönch
den Lonely Planet auseinandergenommen und erklärte was richtig und falsch ist,
er fand es recht amüsant, wie sein Zuhause beschrieben wurde. Danach sind wir
noch einmal ca. 45 min zu einem kleinen Kloster, oder besser gesagt Andachtsstätte
hoch gelaufen, in dem sich die Mönche eingemauert haben um die Bergeinsamkeit
zu nutzen und in Ruhe zu meditieren. Auch eine deutsche Frau namens Helga war zu
unser Zeit hier eingemauert. Was uns allerdings am meisten begeisterte, war dass
uns die Mönche gleich Kekse anboten und die nahmen wir nach dem Anstieg auf
4500m dankend an.
Auf dem Rückweg sind wir dann noch nach Staknah gekommen, das Kloster, das wir
am ersten Tag besichtigen wollten. Wir waren überrascht wie klein diese große
Gebäude doch von innen war.
Dann kam unser letzter Abend mit Jörg. Man merkte es vor allem Jörg sehr an,
dass er es ein wenig bedauerte, denn er war so wissbegierig, wie es momentan in
Deutschland aussieht und ich glaube er war einfach nur froh mal wieder ein paar
Landsmänner zu sehen, die halbwegs auf seiner Wellenlänge waren.
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