Mathura in Uttar Pradesh
Ein bebilderter Reisebericht von Ines und Steffen. Mehr aus ihrer Feder
unter www.abenteuer-indien.
5.10.2000
Bootsfahrt auf dem Yuamuna River
In aller Ruhe beginnen wir, den Ort zu erkunden. Mathura hat 272000 Einwohner
und hat für Hindus ein große Bedeutung als Pilgerziel, da hier vor 3500
Jahren Krishna geboren wurde und auch in dieser Gegend seine Jugend verbracht
haben soll. Im Unterschied zu anderen Pilgerorten wie Varanasi oder Pushkar
ist Mathura kein Touristenort, jedenfalls nicht für ausländische Touristen.
Das ist für uns recht angenehm, da einem die Einheimischen unvoreingenommen
entgegentreten und auch nicht so aufdringlich sind. ( für ind. Verhältnisse!!)
Während einer Bootsfahrt auf dem Yuamuna River erhalten wir einen Überblick
über die vielen Tempel, die sich am

Wasser befinden. Ungemein viele Affen
tummeln sich in Ufernähe auf der Suche nach fressbaren Abfällen. Rhesusaffen
sind in vielen Gegenden Indiens eine wahre Plage, zumal sie ziemlich
aufdringlich, ja sogar gefährlich werden können. Uns lassen sie allerdings
in Ruhe, schrecken sogar vor Steffens Kamera zurück.
Wir besichtigen einige Tempel, allerdings hält sich unsere Begeisterung nach
einiger Zeit in Grenzen, da sich das Innnere doch immer wieder zu gleichen
scheint. Am Nachmittag kommen wir mit einem pfiffigen jungen Mann aus Bombay
ins Gespräch, der eine Internetseite über touristischte Ziele in Indien
erstellt, und z.Z. durchs Land reist, um Bildmaterial zu sammeln. Wir tauschen
unsere e-mail Adressen aus, und er verspricht uns, bei der Suche nach einer
Unterkunft in Pushkar (für die Zeit des Kamelmarktes) behilflich zu sein. Für
diese Zeit ist es sehr schwer, eine Bleibe zu finden. Durch Zufall erfahren
wir, dass am 6.Okt. hier ein Feiertag ist und alle offiziellen Stellen wir
Banken... geschlossen sind, was in Anbetracht unserer Bargeldreserven ein
Problem darstellt. Eiligst machen wir uns auf die Suche nach einer Bank, müssen
aber feststellen, dass die meisten keine Geldautomaten haben und auch keine
Travellercheques tauschen. Ein Bankangestellter Sikh erklärt uns voll Ironie:
Wir sind keine moderne, wir sind eine heilige Stadt mit Krishna und so.
Zum allgemeinen Verständnis muss man sagen, dass die Sikh einer anderen
Religion angehören und von den Hindus nicht allzu viel halten.
In einem Hotel ist es uns dann möglich, einen Scheck zu einem allerdings
schlechten Kurs zu tauschen. Es scheint doch problematischer zu sein, als wir
dachten, DM-Schecks einzulösen.
06.10.2000
Auf den Spuren Krishnas
Mit dem Fahrrad geht es in den ca. 10 km entfernten Ort Vrindavan. Ich habe
immer große Probleme, mir die Namen der Orte zu merken. Hier ist es aber ganz
einfach, da ich bloß an RINDERWAHN denken muss, was in Anbetracht der vielen
freilaufenden heiligen Rindviechcher auch gar nicht so falsch ist.
Vrindavan ist ebenfalls ein besonders heiliger Ort. Hier soll sich vor langer
Zeit folgende lustige Geschichte zugetragen haben:
Als Krishna im halbwüchsigen Alter war, beobachtete er eines Tages am Fluss
badende Mädchen. Nicht genug damit, dass er sich am Anblick weidete, er trieb
es auf die Spitz, indem er die Kleidungsstücke der Mädchen versteckte.
Einerseits verwundert es, dass die ach so prüden Inder einem so playboyhaften
Gott ihre tiefste Verehrung entgegenbringen. Andererseits macht es die Hindus
und ihre Religion sympathisch, dass sie im Gegensatz zu anderen Religionen den
Göttern auch so manche Schwäche zugestehen.
Ihr in Vrindavan befindet sich auch die International Society of Krishna
Consciousness (ISCON) ein Ziel für viele

Krishnas aus allen Teilen der Welt.
Sofort nach dem Eintreten in die Tempelanlage wird uns bewusst, dass hier ein
ganz anderer finanzieller Background vorhanden ist. Kein Vergleich mit anderen
indischen Tempeln. Nicht allein der aufs Feinste gearbeitete Tempel, aus weißem
Marmor, alles ist absolut sauber und gepflegt. Hier sucht man vergeblich die
typischen roten Flecke vom Betelnuss getränktem Speichel oder Berge
herumliegenden Mülls. Will man den Faltblättern glauben, scheint sich die
Krishnabewegung intensiv gegen die Armut einzusetzen. Auch wir werden sofort
um eine Spende gebeten, allerdings wird gleich ein Mindestbetrag von 250
Rupees (12DM) gefordert, was uns in Anbetracht der Tatsache, dass es sich um
eine Spende handelt, etwas arrogant erscheint.
Wir begegnen hier sehr vielen europäischen Krishnas, die durch ihr
aufgeschlossenes und frohes Wesen einen sehr angenehmen Eindruck auf uns
machen.
Auf der Rückfahrt haben wir den ersten Platten. Einige Dornen wurden uns zum
Verhängnis. Glücklicherweise hatten wir einen Schlauch dabei. Bei der
Behebung der Panne wurden wir voller Anteilnahme von ca. 8 Indern beobachtet,
die uns dicht umringten.
In Mathura angelangt, kamen wir in einen Stau, wie wir ihn noch nie erlebt
hatten. Nicht wie in Deutschland. üblich verstopften Autos die Strasse, es
war ein Gewirr aus Menschen, Fahrrädern, Fahrradrikshas, Mopeds und
vereinzelten Autos. Es ging gar nichts mehr. Die Stadt glich einem
Ameisenhaufen, mit dem Unterschied, dass die kleinen Krabbeltiere sich in
aller Regel ruhig verhalten und nicht wie wild umherschreien, klingeln und
hupen. Am Abend wurden wir noch Zeugen einer Hinduhochzeit. Die Strasse war
hell erleuchtet mit Neonlampen, und der Bräutigam saß stolz auf einem
buntgeschmücktem Pferd.
In Indien ist es nicht unmöglich, dass sich Braut und Bräutigam an diesem
Tag zum ersten Mal begegnen. Als ich einige Fotos vom Getümmel machte, wurde
ich aufgefordert, mich in die wilden Strassentänze einzureihen. Zu meinem
Entsetzen war eine große Fernsehkamera auf mich gerichtet. Bei meinem Rhythmusgefühl
wird im Lokalfernsehen eine schöner Eindruck von uns Europäern
vermittelt.... Entschuldigung.
07.10.2000
Zwischenstop im Spaßbad
Auf dem Weg von Mathura nach Agra (64km) machen wir in einem Spaßbad halt. So
etwas hat in Indien Seltenheitswert. Der Eintritt von 100 Rupees zeigt, dass
hier ausschließlich der wohlhabende Inder willkommen ist. Die Kleiderordnung
orientiert sich an der europäischen Bademode der 30er Jahre. Uns werden 2
Securetykräfte zugeteilt, die auf unsere Sachen aufpassen. Eine besonders
noble Geste des 22 jährigen Besitzers. Er war hocherfreut ausländische Gäste
in seinem erst seit 2 Monaten eröffneten Erlebnisbad begrüßen zu dürfen.
Wir wurden ebenfalls durch den angrenzenden Park geführt, in dem
Puppenspieler und Artisten für uns eine Sondervorstellung gaben. Das Imperium
des jungen Millionärs umfasst 300 Mitarbeiter - für deutsche Verhältnisse
absolut unvorstellbar, aber in Indien kostet die Arbeitskraft so gut wie
nichts. Dementsprechend verschwenderisch werden die Menschen eingesetzt.
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