Sati, schrecklicher Brauch der Witwenverbrennung

Als Sati wird die Witwenverbrennung bezeichnet, bei der die Frauen ihren verstorbenen Ehemännern (mehr oder weniger freiwillig) während der Verbrennungszeremonie durch einen Sprung ins Feuer und somit in den Tod folgten. Waren die Männer auf Schlachtfeldern fern der Heimat gefallen, wurden für die Witwen extra Scheiterhaufen errichtet. Frauen, die dieser "Tradition" nicht folgen wollten, wurden gesellschaftlich verstoßen und aus der Stadt gejagt.

Das Wort "Sati" ist mit dem Sanskrit- Wort "Satja" verwandt und bedeutet: "Frau, die den richtigen, mutigen Weg wählt". Laut hinduistischer Mythologie war es Sati, die als wahrhafte Frau Shivas den richtigen Weg wählte:

Sati war die Tochter Dakschas und erzielte durch eine List die Zustimmung zu der Hochzeit mit Shiva. Da Shiva der Gott der Askese ist, empfand Dakscha Abscheu und lud ihn nicht zu seinem Festmahl und Opferfeuer ein. Betrübt über diese Abneigung, stürzte sich die unglückliche Sati in das Opferfeuer. Darüber ward Shiva zornig und er erschuf Kali, die Göttin des Todes, und Bhairawa, die verkörperte furchterregende Seite Shivas, die Dakscha töteten und sein Opfer vernichteten. Sati wurde als Parvati wiedergeboren und Shiva trug den verbrannten Leichnam Satis mit sich herum, bis er zerfallen war.

 Jahre später schoss Kama, Gott der Wollust, einen Pfeil auf den meditierenden Shiva, der ihn daraufhin aus Zorn über die Störung mit der Kraft seines dritten, magischen Auges zu Asche verbrannte. Durch Kamas Pfeil stimuliert, empfand Shiva großes Verlangen nach Parvati, der Reinkarnation Satis, und beide Liebenden waren wieder vereint.

Soweit die Legende. In den Leitbüchern des Hinduismus, wie beispielsweise der Mahabarata, der Bhagavad Gita oder der Ramajana, wird der Brauchtum Sati aber nirgends erwähnt, geschweige denn vorgeschrieben. Und auch in Sati-Hände der Rig Veda wird der Verbrennungstod nicht erwähnt. Dort steht nur geschrieben, dass eine Witwe nach einer Nacht neben dem Leichnam ihres Mannes den Bruder des Verstorbenen heiraten darf. Für diese grausame Tradition gibt es also keine religiöse Grundlage.

Laut hinduistischen Theologen wurde der Sati- Brauchtum im 1. Jahrhundert n. Chr. von dem Stamm der Kushans, die aus Zentralasien kamen und den Nordwesten Indiens beherrschten, eingeführt. In Südindien weitgehend unbekannt, wurde der Brauch im Norden von den Kriegern und Rajputen praktiziert. Die Rajputen waren vernatische Hindu- Krieger, die im ewigen Kampf mit den Muslime standen. Aufgrund der hohen Anzahl von Witwen sahen die Rajputen ethische und moralische Probleme auf die streng monogame Gesellschaft zukommen. Anstelle der Einführung der Polygamie wie bei den Muslime, war die Ausbreitung des Sati- Brauchs die einfachere Lösung.

Im Jahr 1829 wurde die Witwenverbrennung von den Briten verboten. Allerdings kann man auch heute noch in den indischen Tageszeitungen über gelegentliche Praktizierung dieses verbotenen und grausamen Brauchs lesen.

Bild unten: Handabdücke von 30 durch Sati gestorbene Maharani in Jodhpur.

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