Varanasi in Uttar Pradesh

Ein bebilderter Reisebericht von Uta Kubik-Ritter. Mehr aus ihrer Feder findet ihr unter www.kuris-reisen.de.

Der Flieger brachte uns am frühen Vormittag in knappen 45 Minuten wieder zurück in den Bundesstaat Uttar Pradesh. Varanasi   -   Benares   -   Kashi   - wie auch immer Sie diese Stadt nennen mögen, sicher ist, dass wir uns in einem der heiligsten Orte Indiens befinden.
Nicht allein die Tatsache, dass der Ganges hier vorbeifließt, sondern wie er es tut, ist von großer religiöser Bedeutung. Er ändert kurz vor der Stadt seine Richtung. Bislang bahnte er sich von West nach Ost seinen Weg durchs Land. Jetzt aber macht er eine fast 90 Graddrehung nach Süden. So können die Gläubigen von den Ghats am Ufer gen Osten ihr Morgengebet und ihre heiligen Waschungen ausführen. 

Für uns hygienisch keimfreie Besucher ist dieses Wasser ungenießbar. Wir würden uns sicher eine anständige Infektion einhandeln, würden wir in diesem Nass baden, geschweige es trinken. Einem Inder bereitet es keine gesundheitlichen Probleme. Der tiefe Glaube scheint hier der bessere Gesundheitsapostel zu sein. Eine kleine Probe Gangeswasser ist dann mit uns nach Deutschland gekommen. In einer Messingkanne. Zugegeben: jeder Chemiker würde die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wie wir das Wasser einfach so, ohne das Behältnis zu entkeimen, über mehrere Tage im Gepäck verstaut hatten, ehe es meine Laborkollegen in die Finger bekamen. Was dann als Ergebnis zutage trat, war allerdings nicht so schrecklich unsauber, wie man es sich gemeinhin vorstellt .....

Hindus lassen allmorgendlich kleine Lichter auf dem Ganges schwimmen.
Wir taten es auch .....

Bringt es uns Glück ?

Nicht nur zum Gebet, auch zu ganz alltäglichen Arbeiten kommen die Menschen an den Ganges. Wäscherinnen verdienen sich ihr Geld mit dem Reinigen der Wäsche aus den kleinen umliegenden Hotels der Pilger und der reichen Anwohner. Für jeden gläubigen Hindu ist der Besuch im Varanasi ein hohes Ziel in seinem religiösen Leben. So ist verständlich, dass der Tod in dieser heiligen Stadt einer seelischen Erlösung gleichkommt. Allmorgendlich finden Verbrennungen hier an den Ghats statt. Das Feuerholz ist teuer (ganz abgesehen von den Umweltbedingungen). Da tut die Stadtverwaltung viel dafür, dass die Menschen die neu erbauten Krematorien annehmen. Der tiefe Glaube allerdings - und vor allem der letzte Wille des Verstorbenen - lässt die öffentlichen Verbrennungsstätten nicht weniger werden. Täglich lodern viele Holzhaufen am Ufer des Ganges. Nach der Einäscherung werden die sterblichen Überreste dann dem heiligen Fluss übergeben

Indien war erlebenswert. Allerdings können wir niemanden empfehlen, dieses Land unvorbereitet zu besuchen. Unweigerlich würde das eintreten, was eine ältere indische Dame uns auf dem Hinflug gesagt hat: “Wenn Sie nach Delhi kommen, wird das wie ein Kulturschock sein. Entweder, Sie sind gefangen von meinem Land, oder wollen so schnell wie möglich wieder weg!”

Diesen Worten können wir nichts hinzufügen. Kein Land der Welt hat bisher mehr Erlebnisse und tiefere Eindrücke in uns hinterlassen.

 

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