Die vedischen Götter
In vedischen Zeiten (ca. 1600 - 500 v. Chr.) hatten andere Götter andere Stellenwerte als im heutigen Hinduismus. Damals wurden hauptsächlich die Kräfte der Natur wie Mond, Sonne und Feuer als Inkarnation verschiedenster Götter verehrt, die heute häufig nur geringere Stellungen wie Wächter- oder Planetengottheiten einnehmen. Diese Götter standen in keinerlei Hierarchie oder Konkurrenz zueinander; jeder hatte seinen selbstständigen Zuständigkeitsbereich. Schon in den heiligen Schriften der Vedas stehen genaue Opferrituale und Gebetsvorschriften überliefert. Mit dem Aufkommen des Buddhismus und Jainismus im 4. Jahrhundert n. Chr. verloren die Vedas an Einfluss und neue religiöse Anschauungen traten in den Vordergrund.
Hier die wichtigsten vedischen Götter im Überblick:
Surya, der Sonnengott:
Der
Sonnengott Surya galt als lebensspendende Kraft, Schöpfer des Universums und
symbolisierte die Unendlichkeit. Häufig wurde der Gott auf den Flügeln eines
Riesenvogels oder als Lenker eines Wagens, der von sieben Pferden (für die
Wochentage) gezogen wurde, dargestellt. Laut Legenden hatte Surya mehrere Ehen
und Kinder, was auch die Schattenseiten im Leben des ansonsten glänzenden
Gottes aufzeigt.
Surya war unter anderem mit der Frau Samjna verheiratet, die ihn aber aus Neid auf seinen ewigen Glanz verließ. Die Flucht seiner Ehefrau erkannte er aber erst, nachdem der von ihr hinterlassene Schatten Surya drei Söhne geboren hatte. Zwei der Söhne waren Yama (Gott des Todes) und Yami (Flussgott des Yamuna), die als erste wahre Menschen angesehen wurden (ähnlich Adam und Eva). In Gram legte der Sonnengott seinen Glanz ab, was ihm auch bis auf die Füße gelang. Nach langer Suche fand Surya seine Frau Samjna schließlich im Himalaya und beide waren wieder glücklich vereint.
Indra, König der Götter
Indra, König der Götter, war im vedischen Zeitalter der Gott der
natürlichen Elemente wie Regen, Blitz und Donner.
Die
Kaste
der Kschatria (Krieger) verehrte Indra auch als Kriegsgott. Als Sohn des
Himmelgottes und der Erdgöttin wies er besonders gute Führungsqualitäten auf
und wurde daraufhin zum König über alle Götter ernannt. Als Opfer wurde dem
Gott der aus Pflanzen gewonnene, halluzinogen wirkende Soma-Saft
dargereicht, um Dürreperioden abzuwenden und Regen zu spenden. Dem Glauben nach
bekämpfte und vertrieb Indra die Dämonen der Dürre nach Einnahme des Saftes
mit seinem Donnerkeil (Blitz) und Kriegsgebrüll (Donner). Der anschließende
Regen war Zeichen des Sieges.
Im Laufe der Zeit aber, nach übermäßigem Konsum des berauschenden Soma-Saftes, bröckelte die Machtposition des Königgottes und Shiva trat als machtvoller Hauptgott in den Vordergrund. Im heutigen Hinduismus bekleidet Indra die Rolle als Wächter über die östliche Himmelsrichtung.
Yama, Gott des Todes
Yama ist einer der drei Söhne des Sonnengottes Surya und wurde als Totenrichter verehrt, da er der erste Mensch auf der Erde war und somit als erster sterben musste. Yama führt über die Taten eines jeden Menschen Buch. Ist die Lebenszeit abgelaufen, holt der Totengott den Menschen in sein Reich und urteilt anhand seiner guten und schlechten Taten über den zukünftigen Verbleib in Himmel, Hölle oder als Reinkarnation auf der Erde (siehe auch Karma). Dem Glauben nach dauert die Reise in das Reich der Toten viereinhalb Stunden, weshalb der Leichnam erst nach dem Verstreichen dieses Zeitraums verbrannt werden darf. Im heutigen Hinduismus bewacht Yama die südliche Himmelsrichtung vor negativen Einflüssen.
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